Gegen die Wand

Ich wache auf wie jemand, der eine Prügelei verloren hat. Kann mich nicht erinnern, wer angefangen hat.

Beine gleiten haltlos aus dem Bett. Der Boden kalt wie Beton, auf dem keiner Fragen stellt.

Ich stehe nicht wirklich auf. Ich falle in den Morgen. Halb wach. Halb lebendig.

Manchmal reicht das.

Das Badezimmerlicht brüllt mir ins Gesicht. Zu grell. Zu ehrlich. Der Spiegel hält mein Abbild, aber es gehört mir nicht.

Noch nicht.

Zähneputzen. Drei Minuten. Oral B zieht mechanische Kreise.

Der Kopf nicht.

Es ist der Moment, an dem Tage kippen.

Sitzen. Handy. Ein kurzer Drift.

Zehn Minuten Selbstauflösung, bevor der Tag weiß, dass ich existiere.

Heute nicht.

Ich lehne den Rücken gegen die kalte Wand wie gegen ein fast vergessenes Versprechen.

Gleite Fliesen hinab. Nur zwei Fugen weit. Genug, dass die Beine arbeiten müssen.

Minute Eins.
Ein dumpfer Druck.
Nichts Dramatisches.
Einfach nur Muskeln, die da sind.

Minute Zwei.
Füße verbinden sich mit dem Boden. Wärme kriecht von den Fersen in den unteren Rücken. Wirbel richten sich an der Gerade aus.

Der Atem wird tiefer.
Mein Kopf fragt leise:
Wie lange noch?
Aber ich antworte nicht.

Minute Drei.
Ein leichtes Zittern.
Nicht wie Schwäche.
Mehr Wahrheit.

Die Spannung ist stark genug, um mich her zu zwingen. Aber nicht stark genug, um mich zu brechen.

Ich halte nicht durch. Ich bin hier.

Das ist was anderes.

Die Zeit setzt sich neben mich. Sie ist immer noch flüchtig. Aber sie flieht nicht mehr vor mir.

Ein letzter beherzter Druck nach oben bringt Erlösung für die Beine.

Kein Griff zum Handy.
Kein Versacken.
Kein Verschwinden.

Nur ich.

Zum ersten Mal heute.

Drei Minuten putzen.
Drei Minuten halten.

Es ist nicht mal Training. Mehr wie ein Deal. Zwischen mir und diesem Teil von mir, der noch nicht zum Nachgegeben bereit ist.

Mit der Zeit verlieren Minuten ihre Autorität.

Drei werden vier.
Vier werden fünf.

Kein Muss.

Keine Flucht.

Ich bin ich, bevor mein anderes die erste Entscheidung für mich trifft.

Und der Tag schlägt nicht mehr als Erster zu.

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