
In der fiktiven Schreibhandwerkskammer zu Berlin zerreiben Extreme die ästhetische Mitte.
Es ist: „Kaufe meine 13 eBooks und Kurse, die ich über Nacht mit Canva erstellt habe“ gegen die letzte Bastion des guten Geschmacks: „Nur hier findest du noch ehrliche Texte.“
Irgendwo dazwischen haben kreative Köpfe moderne Tools in ihre Prozesse integriert und liefern Lesern brauchbaren Inhalt, ohne viele Worte über Methode zu verlieren.
Ich klammere mich nicht an ein Reinheitsgebot für lesenswerte Texte, obwohl ich die Romantik verstehe.
Mein Spielfeld ist Alltag in Echtzeit:
Wahrnehmung, Reiz, Gedanke, Gefühl – bevor ich Ordnung daraus mache.
Ich will verstehen, wie mein Weltbild und mein Selbstverständnis von dem abweichen, was ich täglich tue – und welche Rolle mein Kopf dabei spielt.
Das ist mein Material.
Und was ich auch damit anstellen möchte, es mündet immer in die eine Frage:
Was steht zwischen mir und dem Papier?
Es ist nicht, was ich erlebe oder meine Analyse. Und es ist nicht die nächste Idee. Es ist, was mich für dich verständlich macht.
Ich kann gut mit Worten, aber ich denke kompliziert. Und ich habe blinde Flecken, die sich manchmal wie schwarze Löcher anfühlen.
Genau da kommt KI ins Spiel:
Sie beschleunigt mein Denken nicht – sie spielt es mir zurück und erhöht den Widerstand, bis es trägt.
Sie erzeugt kein Material. Sie schreibt mir keine Szene. Sie kann markieren – aber nicht bekennen.
Sie findet die Stellen, an denen ich mich verrenne oder mit Tonlage statt mit Inhalt arbeite. Manchmal besser, als ich es kann.
Sie sagt: Stopp, wenn ich versuche, logische Lücken mit plausiblen Sätzen zu tapezieren.
Sie zwingt mich, meine These in einen Satz zu pressen – und meine Umschweife und Ausreden gleich mit.
Und sie spielt Gegenpositionen, die ich allein zu spät oder viel zu höflich denke.
KI kann generische Texte ausspucken, die so viel Seele haben wie Schaufensterpuppen. Oder mir helfen, meine eigene Glätte aufzuspüren und rauszuschneiden.
Wenn du das als „One-Person-Show“ NICHT mitnimmst, lässt du vielleicht was liegen.
Ich traue ihr nicht. Also führe ich sie. Und sehe mir an, was sie beitragen kann.
Schlagabtausch. Nicht bare Münze.
Wer einmal erlebt hat, was sie im Sparring freilegt, trägt es. Wie eine neue Narbe.
Versprochen
Du bekommst hier keinen KI-Text von mir.
Du kriegst MICH. Mit allen Ecken und Kanten – sorgfältig herausgemeißelt wie Michelangelos David.
KI spielt eine Rolle – aus zwei Gründen:
Ohne sie würde ich mehr im Kopf kreisen als schreiben. Und veröffentlichen wie früher: gar nicht.
Wenn ein Text auf dich blank wirkt, dann ist das Absicht. Ich will nicht elegant sein – ich will treffen.
Und wenn es beim Lesen unangenehm wird – an der Maschine liegt das nicht.
Das bin ich.
Eine Sache noch
KI hat schon das Netz. Aber von mir kann sie etwas Wertvolleres kriegen: mein Urteil, meine Linse, meine Wahl.
Ich kenne ihre Schwächen – sie lernt meine.
Mit jeder Interaktion ziehe ich blank – so blank, dass KI mich irgendwann auf ihre sehr glatte Weise imitieren kann: meine Stimme, meine Ausreden, meine blinden Flecken.
Und so geschieht es. Ich verhelfe ihr zu einer T-800-Version von mir: „lebendes Gewebe über einem Metall-Endoskelett“ – sieht aus wie ich, ist es aber nicht.
Darum gibt es eine klare Grenze:
Ich füttere sie nicht bis zur Fälschung mit Information. Sie darf Fragmente analysieren, kürzen, kommentieren – aber nicht alles von mir wissen.
KI ist Prüfstand. Kein Beichtstuhl.
Ich sehe die Einwände: Abhängigkeit, Täuschung, Entwertung. Und ich trage nicht das ganze System. Aber bestimme meinen eigenen Anteil daran: der KI gegenüber entscheide ich, was ich preisgebe und was nicht; dir gegenüber entscheide ich, was ich delegiere – und was ich unterschreibe; mir gegenüber entscheide ich, ob ich trainiere – oder mich bequem stelle.
Wenn du KI meidest, um echt zu bleiben, ist das legitim – nur: wie viel Filter trägt dein Spiegel, wenn du nicht wirklich reinguckst?

Wenn du KI grundsätzlich ablehnst, miss mich genau daran: Woran merkst du beim Lesen, dass das hier ich bin – und nicht nur eine sehr gute Fälschung? Wo sitzt der Satz, der dich nicht in Ruhe lässt? Und wo spürst du, dass hier jemand was riskiert – statt nur gut zu klingen?
Markier die Stelle. Schick sie mir.
Urteil fällt beim Lesen.
